Für wen ist therapeutisches Reiten geeignet?

Prinzipiell ist therapeutisches Reiten für jeden geeignet – egal ob eine Behinderung (in welcher Form auch immer) vorliegt oder nicht.
Alle Sinne des Menschen werden angesprochen, sowie die motorischen und kognitiven Fähigkeiten gefördert.
Auf emotionaler und psychischer Ebene kann die Arbeit mit und auf dem Pferd hilfreich sein.
Selbstzweifel und schlechte Erfahrungen im sozialen Leben können durch die unvoreingenommene Annahme der Tiere zu positiven Erfahrungen führen, die es ermöglichen, sich im alltäglichen Leben wieder leichter auf Beziehungen zu anderen einzulassen.
Das Führen der Tiere stärkt das Selbstbewußtsein und fördert die Führungsqualitäten der Teilnehmer. Nur wer klare und widerspruchsfreie Anweisungen gibt, wird erfolgreich etwas bewegen und ans Ziel gelangen können.
Wer starken psychischen Belastungen ausgesetzt ist, kann entlastung erfahren, wenn auch er einmal getragen wird.
Beim Aufbauen eines Parcours wird die Augen-Hand-Koordination und das räumliche Sehen gefördert, sowie Kreativität und Phantasie.Wer unter Depressionen und sozialem Rückzug leidet, kann durch die Verantwortung, die die Versorgung und Beschäftigung mit den Tieren bedeutet einen Weg aus der Isolation finden und durch die körperliche Aktivität vom ständigen Grübeln und (Ver-)zweifeln abgelenkt werden.
Auch für Wiedereinsteiger oder ängstliche Reiter ist therapeutisches Reiten eine Möglichkeit eventuell erlittene schlechte Erfahrungen zu verarbeiten, (neues) Vertrauen zum Pferd zu fassen oder einfach neue Ideen zur Arbeit mit dem Pferd zu entwickeln.

Dies sind nur ein paar Beispiele, für die Bereiche in denen wir durch die Arbeit mit den Tieren helfen können.


Warum werden Tiere so erfolgreich in der therapeutischen Arbeit eingesetzt?

In der Arbeit mit dem behinderten Menschen zeigen sich die Tiere sehr verantwortungsbewußt und scheinen sich in ihrer Nähe sehr wohl zu fühlen.
Pferde sind Flucht- und Beutetiere. Für sie ist es unerlässlich gute Beobachter zu sein und darum erkennen sie innerhalb von wenigen Sekunden, ob von ihrem Gegenüber Gefahr ausgeht oder nicht.
Es ist häufig zu beobachten, dass Pferde sich in freier Natur Schwächeren annehmen. So scheint es sich auch bei Menschen mit Behinderung zu verhalten – sie signalisieren, dass keine Gefahr von ihnen droht und so geht das Pferd auf ihn zu und kann sich auf ihn einlassen.

Bei genauerer Beobachtung finden sich viele Parallelen zwischen Menschen mit Behinderung und dem (Fluchttier) Pferd, besonders deutlich wird dieser Vergleich zum Autisten:
Durch Routine und Wiederholungen entsteht ein Gefühl von Sicherheit und Wohlbehagen. Es reicht aber schon eine kleine Veränderung oder das Erschrecken vor einem lauten Geräusch aus, um eine Fluchtreaktion auszulösen, die zeitweise unfähig macht, im Alltag alleine zurecht zu kommen.
Raubtiere fixieren ihre Beute mit festem Blick, was Unwohlsein und Angst auslöst.
Weder beim autistischen Menschen noch beim Pferd wird eine Annäherung bei direktem Augenkontakt möglich sein.
Ähnlich verhält es sich bei körperlicher Nähe: Sie wird prinzipiell gewollt, aber sie darf weder einengen, noch erzwungen werden. Druck wird immer Gegendruck erzeugen.
Aufgrund dieser Ähnlichkeiten hat sich die Arbeit mit dem Co-Therapeuten Pferd als sehr hilfreich und förderlich erwiesen.